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Das Fasziensystem besteht aus einem dreidimensionalen Kontinuum aus weichen,
kollagenhaltigen, lockeren und dichten faserigen Bindegeweben, die den Körper
durchdringen.

Faszien sind kein Verpackungsmaterial. Sie sind ein Sinnesgewebe: Sie enthalten
mehr Nervenendigungen als Muskeln und senden ununterbrochen Signale zum Gehirn und
zurück. Das Gewebe ist kollagenreich, liegt unter der Haut und umhüllt Muskeln,
Organe und andere wichtige Teile. Aber das Umhüllen ist das Uninteressanteste
daran.

Es gibt drei Arten von Faszien:

Oberflächliche Faszie: Diese Schicht liegt direkt unter deiner Haut und wirkt wie
ein weiches Polster, das deine Haut unterstützt und glättet. Es ist wie die
kuschelige Polsterung im Inneren einer neuen Jacke, die dich bequem und geschützt
hält.

Tiefe Faszie: Diese dichte, faserige Schicht umgibt und trennt deine Muskeln,
Knochen, Nerven und Blutgefäße. Sie ist wie ein superrobustes, elastisches Netz,
das alles an seinem Platz hält, strukturelle Integrität bietet und Muskelgruppen
voneinander abgrenzt.

Viszerale Faszie: Diese Faszie befindet sich um deine inneren Organe und hält sie
sicher an ihren vorgesehenen Plätzen in den Körperhöhlen, ähnlich einem eingebauten
Haltesystem.

Faszie hilft den Muskeln, sanft zu gleiten, bewältigt mechanische Kräfte und spielt
eine entscheidende Rolle bei der Propriozeption (dem Wissen, wo sich die Körperteile
befinden) und der Schmerzwahrnehmung. Sie ist auch mit emotionalen und
stressbedingten Reaktionen verbunden. Bei Anspannung oder Stress kann die
Flüssigkeit zwischen den Schichten zähflüssiger werden und das Gleiten nachlassen.
Das verändert, wie sich die Region anfühlt und wie sie sich bewegt.

Faszie ist also mehr als nur ein unterstützendes Gewebe. Sie ist ein wichtiger
Faktor dafür, wie du dich bewegst und wie du dich fühlst, und sie hält dich darüber
auf dem Laufenden, wo dein Körper gerade ist und was er tut.

Lies hier mehr darüber, wie Faszien eine wichtige Rolle in der Schmerztherapie spielen.
https://algesiologikum.de/allgemeines/faszientherapie-ein-gamechanger-in-der-schmerztherapie

Faszie wurde lange Zeit als eine Art Bindegewebe anerkannt, doch ihre Bedeutung und spezifischen Funktionen wurden erst kürzlich gewürdigt und erforscht. Frühere anatomische Studien tendierten dazu, die Faszie zu übersehen und sie lediglich als passives, inertes Gewebe zu betrachten, das Muskeln, Knochen und Organe umhüllt.

In den letzten Jahren hat jedoch das Bewusstsein für die dynamischen und aktiven Rollen der Faszie im Körper zugenommen, einschließlich ihrer Beteiligung an Bewegung, Propriozeption und Schmerzwahrnehmung. Moderne Forschungen haben die komplexen biomechanischen und sensorischen Eigenschaften der Faszie beleuchtet, was zu einem umfassenderen Verständnis ihrer Bedeutung für Gesundheit und Krankheit geführt hat.

Auch die Grundsubstanz spielt hier eine Rolle. Diese gelartige Matrix innerhalb der
Faszie kann zähflüssiger werden, etwa durch verringerte Wasserbindung in der Matrix,
durch Entzündung oder mit dem Alter. Steigt die Viskosität, gleiten die Schichten
schlechter gegeneinander, was Beweglichkeit und Funktion verändert. Das ist etwas
anderes als neu eingelagertes Kollagen, und es verändert sich sehr viel schneller:
in Stunden bis Tagen statt in Monaten.

Das erneute Interesse und die aufkommende Forschung zur Faszie haben ihre entscheidenden Rollen hervorgehoben und die historische Vernachlässigung ihrer Bedeutung als wichtigen Bestandteil des Bindegewebes im Körper korrigiert.

Faszie ist nicht nur für die strukturelle Unterstützung entscheidend, sondern auch für ihre sensorischen Funktionen.

Faszien enthält eine höhere Dichte an Sinnesrezeptoren im Vergleich zu Muskelgewebe.

Die Faszie enthält eine Vielzahl von Mechanorezeptoren, wie Pacini-Körperchen, Ruffini-Enden und Golgi-Sehnenorgane, die eine wesentliche Rolle bei der Wahrnehmung der Körperposition und Bewegung spielen. Diese Rezeptoren sind in der Faszie besonders eng verteilt, wodurch sie sehr empfindlich auf Veränderungen in der Spannung und Bewegungen reagieren.

Nozizeptoren: Faszie enthält auch eine hohe Anzahl von Nozizeptoren, die Schmerz erkennen. Die Fülle dieser Rezeptoren in der Faszie bedeutet, dass sie äußerst empfindlich auf Schmerz und Entzündungen reagiert, oft sogar mehr als Muskelgewebe.

Forschungen deuten darauf hin, dass die Anzahl der Sinnesrezeptoren, insbesondere derjenigen, die mechanische Veränderungen und Schmerz wahrnehmen, in der Faszie signifikant höher ist als in der Muskulatur. Diese erhöhte Rezeptordichte in der Faszie trägt zu ihrer wesentlichen Rolle bei der sensorischen Wahrnehmung im Körper bei.

Forschung zur Faszie wird von verschiedenen Forschern und Institutionen weltweit betrieben, darunter:

Dr. Robert Schleip: Eine führende Persönlichkeit in der Faszienforschung. Dr. Schleip ist Biologe und Direktor der Fascia Research Group an der Universität Ulm und der Technischen Universität München. Seine Arbeit konzentriert sich auf die biomechanischen und sensorischen Eigenschaften der Faszie.

Dr. Carla Stecco: Orthopädische Chirurgin und Forscherin, Professorin für Anatomie an der Universität Padua in Italien. Sie hat umfangreich über die Anatomie und klinische Relevanz der Faszie veröffentlicht.

Dr. Helene Langevin: Ehemalige Direktorin des National Center for Complementary and Integrative Health
(NCCIH) in den USA, heute am Osher Center for Integrative Health der University of
Vermont.

Fascia Research Society: Eine Organisation, die Wissenschaftler, Kliniker und Pädagogen zusammenbringt, um das Verständnis von Faszie voranzubringen. Die Gesellschaft organisiert den International Fascia Research Congress, der führende Forscher auf diesem Gebiet anzieht.

Stecco Faszialmanipulation®-Methode: Entwickelt von Luigi Stecco und weiter erforscht von seinen Kindern, Carla und Antonio Stecco, basiert diese Methode auf den anatomischen und funktionellen Eigenschaften der Faszie und hat zu zahlreichen Studien zu diesem Thema geführt.

Harvard Medical School: Forscher in Harvard, darunter Dr. Helene Langevin, haben die Rolle des Bindegewebes in verschiedenen physiologischen Prozessen und ihre Auswirkungen auf Gesundheit und Krankheit untersucht.

Dr. Imagita Hidetaka: Professor an der Saitama Prefectural University, gewann 2018 den Best Basic Science Abstract Award für den Einfluss von adhäsionsbezogenen faszialen Gleitrestriktionen auf die dermale und artikuläre Bewegung.

Sawomir Marszaek: wurde ebenfalls 2018 auf demselben Kongress für Faszienforschung für seine Studie ausgezeichnet über:Myofasziale versus konventionelle Physiotherapie bei Patientinnen nach Mastektomie: eine randomisierte kontrollierte Studie.
Link zur Studie

 

 

Frühes 20. Jahrhundert: Faszie wurde als Bindegewebe erkannt, jedoch weitgehend als inert und von geringer Bedeutung betrachtet, hauptsächlich als passive Struktur, die Muskeln, Knochen und Organe umhüllt.

1970er Jahre: Anatomisten und Kliniker begannen, die potenziell funktionelle Bedeutung der Faszie zu erkennen, obwohl umfassende Forschungen noch begrenzt waren. Dr. Janet Travell und Dr. David Simons begannen ihre bahnbrechende Arbeit zum myofaszialen Schmerzsyndrom, indem sie myofasziale Triggerpunkte innerhalb der Faszie identifizierten und kartierten, was die Schmerztherapiepraxis erheblich beeinflusste.

1980er Jahre: Die Forschung zur Faszie erhielt mehr Aufmerksamkeit. Dr. Ida Rolf, die Gründerin der Rolfing-Strukturellen Integration, betonte die Bedeutung der Faszie für die Körperausrichtung und Bewegung. Travell und Simons setzten ihre Arbeit fort und veröffentlichten 1983 das wegweisende Buch „Myofascial Pain and Dysfunction: The Trigger Point Manual“, das einen umfassenden Rahmen zum Verständnis und zur Behandlung myofaszialer Schmerzen bot.

2007: Der erste Internationale Faszienforschungskongress fand an der Harvard Medical School statt und markierte einen bedeutenden Wendepunkt in der Faszienforschung, indem Forscher aus verschiedenen Disziplinen zusammengebracht wurden, um die neuesten Erkenntnisse zu diskutieren und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern.

2009: Dr. Robert Schleip veröffentlichte einflussreiche Forschungen zu den biomechanischen Eigenschaften der Faszie, die ihre dynamische Rolle bei Bewegung und Propriozeption hervorhoben und zur breiteren Anerkennung der Faszie als aktives Gewebe beitrugen.

2015: Die Fascia Research Society wurde gegründet, um die Forschung und Bildung zur Faszie weiter zu fördern. Die Gesellschaft war maßgeblich an der Organisation der folgenden International Fascia Research Congresses beteiligt und förderte kontinuierliche Fortschritte auf diesem Gebiet.

2021: Bedeutende Fortschritte im Verständnis der Rolle der Faszie bei chronischen Schmerzen und ihr Potenzial als Ziel für therapeutische Interventionen wurden erzielt. Die Forschung konzentrierte sich auf die Interaktion zwischen Faszie, dem autonomen Nervensystem und der Immunregulation und hob ihre komplexe Beteiligung an verschiedenen physiologischen Prozessen hervor.

Jüngste Jahre (2010er-2020er): Fortgesetzte Forschung durch Persönlichkeiten wie Dr. Carla Stecco, Dr. Helene Langevin und andere erweiterte das Verständnis der sensorischen Funktionen der Faszie, ihrer Rolle in der Schmerzempfindung und ihrer Beteiligung an der Immunregulation. Diese Studien haben das komplexe Zusammenspiel zwischen Faszie und anderen Systemen im Körper aufgezeigt.

Im Jahr 2018 veröffentlichte das Nomenclature Committee der Fascia Research Society
eine international abgestimmte Definition des Fasziensystems, das Ergebnis eines
mehrjährigen Konsensprozesses aus Anatomie, klinischer Praxis und Forschung.
Aktualisierungen folgten 2022 und 2024. Davor hatte das Feld keine gemeinsame
Definition dessen, was es eigentlich untersucht.